Ein taz Artikel zum Haare raufen - Veganer seien schädlich für die Umwelt

(Ausnahmsweise mal kein Rezept, dafür eine "Kauft dieses Buch bitte nicht! Schade um's Papier!" Empfehlung und ein bisschen Frustablassen.)

Der Artikel in der taz "Fleisch gehört dazu" von Ulrike Gonder rollt bei mir die Zehennägel hoch und stößt mir übel auf.
Nicht nur mir, zum Glück.
Aber einige Omnivoren fühlen ihr Ego stark gestreichelt und verteilen den Artikel mit breitem Grinsen und pochen auf den Inhalt.
Ich frage mich dabei, ob sie ihn wirklich gelesen haben, oder einfach nur den Titel sahen und das als Inhaltsangabe ausreichte.
Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht wo ich mit berichtigen, weiter ausführen oder umformulieren anfangen sollte, damit die Behauptungen ins rechte Licht gerückt wären.
Es wird über einen Kamm geschoren, Behauptungen werden aufgeworfen und nicht weiter ausgeführt.

Der Artikel bezieht sich auf Aussagen von Lierre Keith aus ihrem Buch "The Vegetarian Myth: Justice, and Sustainability", zu deutsch: Ethisch Essen mit Fleisch: Eine Streitschrift über nachhaltige und ethische Ernährung mit Fleisch und die Missverständnisse und Risiken einer streng vegetarischen und veganen Lebensweise". 
Keith kann man als Zivilisationsgegnerin einstufen, d.h. alles fortschrittliche ist in ihren Augen lebensfeindlich, da es der Natur schadet. Als ehemalige Veganerin scheint sie nun zu meinen, es besser zu wissen.
Eine vielsagende Rezension zum Buch findet sich hier: >>  klick 
 
Tierhaltung sei Grundlage einer nachhaltigen Landwirtschaft und somit Fleischkonsum wichtig, heißt es in dem Artikel von Gonder. Das unsere Böden mitunter komplett überdüngt sind und die Gülle das Grundwasser verseucht, wird dabei schön ausgelassen.
Veganismus bedeute Monokultur und würde somit der Natur schaden. Bei landwirtschaftlich ungeeigneter Flächen käme Weidetierhaltung in Frage, so könnte man dem Welthunger begegnen.
Ernsthaft? Dafür holzen wir dann auch gerne den Regenwald ab, nicht? Immerhin entstehen dort neben Palmölplantagen täglich neue Futtersoja-Anbauflächen und Weideflächen für Rinder.
Ist das etwa keine Monokultur?

Auch auf dem "Ende der Märchenstunde" Blog findet sich ein Eintrag dazu und den kann ich nur unterschreiben.
Zusammen mit der Buchrezension sagt das schon alles, was man dem Artikel kopfschüttelnd entgegnen kann.

Obwohl, eines noch:
Ich als Heide sehe Pflanzen als Lebewesen an. Allerdings - hier der Knackpunkt - haben Pflanzen in meiner Weltanschauung ein anderes Bewusstsein. In jeder Pflanze steckt der Pflanzengeist der Gattung. Stirbt die Pflanze, zieht sich der ihr innewohnende Teil des Geistes aus ihr zurück, ist somit noch vorhanden und verschwindet nicht.
Es ist ein kollektives Bewusstsein, womit keine einzelnen Individuen sterben, sondern ihre Eigenarten dem Großen Ganzen angedeihen.
Esotherisches Blabla? Ja.
Aber es sagt eines: Töte ich eine Pflanze, ist ihr Selbst, ihr Geist noch immer präsent, da ich durch eine tote Pflanze nicht die komplette Pflanzenseele entkörpere und auslösche.
In naturreligiösen Büchern findet man ab und an den Hinweis, dass man Pflanzen z.B. bei Schnittarbeiten mitteilt, dass man vor hat diesen und jenen Zweig zu entfernen und Energie und Geist der Pflanze ziehen sich dann aus diesem Teil zurück. Man trennt also nur eine leere Hülle ab.
Bei Tieren sieht es anders aus, sie sind Individuen mit nur einer Hülle. Mit ihnen stirbt ihr ganz persönliches Selbst.
Mit diesem Glauben bin ich nicht allein und ich finde es von daher einfach unangemessen, wenn sich Autoren auf esotherisches Geplänkel beziehen, von dem sie sichtlich keine Ahnung haben.
Ich kenne andere Heiden, die aufgrund dieses Glaubens keine Veganer sind. Für sie wäre es Heuchelei zu sagen: Ich esse kein Tier, aber dafür Pflanzen, da sie in meinen Augen keine Lebewesen sind.
Dafür ernähren und konsumieren sie überaus bewusst. So etwas gehört in meinen Augen nicht belächelt, immerhin setzen sie sich mit Moral, Ethik und Nachhaltigkeit auseinander.

Wie ist Eure Meinung dazu?

Eine kopfschüttelnde carnam...

Kommentare:

  1. "Diese Tiere essen, was wir Menschen nicht nutzen können – die Zellulose der Gräser – und wandeln sie in für uns hochwertige Nahrung um: in Fleisch und Milch, in Eiweiß und Fett.".....
    WTF? In welcher Welt lebt diese Frau?
    Schön wäre diese Annahme, aber heutzutage ist das leider nicht mehr so die Realität....

    Die Buchrezesion finde ich auch nicht schlecht: "...alle Veganer sind in Wirklichkeit tot...." Cool, wir leben noch :-D

    Deine Sichtweise, dass Pflanzen ein kollektives Bewusstsein haben finde ich sehr interessant.
    Meine Sicht ist ähnlich: Tiere haben ein Bewusstsein wie wir, mit den gleichen Gefühlen, Schmerzen und Ängsten - Pflanzen sind auch Lebewesen, aber ohne dieses Bewusstsein (ich denke zwar, dass es Pflanzen auch in irgendeiner Weise "weh tun" kann - bei der Baumpflege gibt es auch den Begriff "Nachbehandlung von Verletzungen", aber dieses "weh tun" ist komplett anders zu verstehen, als wenn sich ein Mensch oder ein Tier verletzen würde).
    Etwas brutaler noch gesagt:
    Der Rasen wächst auch immer wieder nach dem Rasenmähen nach - halbiere eine Kuh, diese wird nie wieder zu einer ganzen werden....

    Im Hinduismus und Buddhismus glaubt man an Wiedergeburt - als Mensch / Tier / Insekt / Geist oder göttliches Wesen. Pflanzen werden dort nicht erwähnt....

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    1. Wissenschaftlich ist erwiesen, dass Pflanzen Stress empfinden können und darauf reagieren. Schmerzen lösen Stress aus, also meiner Meinung nach können Pflanzen demnach auch Schmerz empfinden. Nur anders als beim Menschen und dem Großteil der Tiere und Insekten (Eidechsen und Regenwürmer bilden ja z.B. Ausnahmen), können sie ihren Körper zu einem großen Teil wieder neu erschaffen. Das liegt in meinen Augen daran, dass ihr Schmerzempfinden nicht derart übermächtig ist, sonst wäre der Stress zu stark schädigend.

      Das Pflanzen ein Gefühl der Freude empfinden können, finde ich für jeden erkennbar. Man muss nur einmal nach einem starken Regenschauer durch einen Wald oder Park spazieren, nachdem es zuvor lange Zeit trocken gewesen war. Die Pflanzen singen dann geradezu :)

      Danke für das Teilen deiner Ansichten ;)

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    2. Auch Eidechsen und Regenwürmer kann man nicht lieblos teilen und sie wachsen weiter. Regenwürmer STERBEN wenn man die zertrennt.
      Eidechsen können ihren Schwanz zwar abwerfen, aber eher so, wie einem Mensch die Haare ausfallen, wenn er emotional überbelastet ist :)
      (Bitte nicht drüber ärgern, musste ich mal loswerden, hihi)

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    3. Das wollte ich damit auch nicht sagen. Sie haben nur einen anderen Regenerationslevel und anderes Schmerzempfinden als Menschen oder Pflanzen. Man kann da schlecht Vergleiche ziehen, trotzdem neigen viele dazu das dann als Begründung zu nehmen, das wenn Tiere das aushalten, sie keine Gefühle wie wir Menschen haben können.
      Vorrangig ging es mir in meiner Aussage um die Pflanzen ;)

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  2. Der Artickel scheint mir wirklich unqualifiziert. Er bezieht sich natürlich aufs Buch und dieses ist wirklich bedenklich!
    Ich denke durchaus das Tierhaltung zu einem gesunden Biozyklus gehört. ABER vor allem das Thema Monokultur wird ja wohl durch Tierhaltung/Massentierhaltung noch sehr verschärft!
    Mich persönlich regt es immer wieder wahnsinnig auf, dass "Allesesser" sich über unseren vermehrten Pflanzenkonsum aufrege. Da fehlt einfach das Wissen über den kompletten Kreislauf der Dinge.
    Die Tiere zum Verzehr wachsen ja nicht auf Bäumen :)

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